Einrichten im Wabi-Sabi-Stil
Einrichten im Wabi-Sabi-Stil

Wabi Sabi setzt ein Gegengewicht zu unserer schnelllebigen Zeit. Die japanische Lebensphilosophie hilft Ihnen dabei, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und Altbewährtes schätzen zu lernen. Gerade dann, wenn es schon ein paar Macken hat. Was das für Ihre Wohnung bedeutet? Weniger Perfektionismus, mehr Ruhe und Harmonie.

Wabi Sabi oder das Geheimnis der Zen-Buddhisten

Durchgestylte Wohnzimmer, perfekte Dinnertafeln, luxuriöse Badezimmer – Pinterest, Instagram und Co. sind voll von Influencern, die alldem hinterherjagen. Wabi Sabi macht Schluss mit dem Wahn nach ständiger Optimierung. Die japanische Lebenseinstellung hat ihren Ursprung im asiatischen Zen-Buddhismus und sucht die Schönheit im Unvollkommenen. Wabi bedeutet „einsam“, „verlassen“, „traurig“ und Sabi heißt übersetzt „Patina“, „Alter“ oder „Vergänglichkeit“. Dahinter steckt die Idee, dass Dinge erst dann ihre wahre Schönheit entfalten, wenn sie individuell, fragil und vergänglich sind.

Bestes Beispiel für diese Philosophie ist die japanische Töpferkunst. Schalen, Tassen oder Teller gelten als besonders wertvoll, wenn sie auffällige Risse, einzigartige Patinierungen oder mit goldenem Lack zusammengefügte Bruchstellen aufweisen.

So wie im Minimalismus und Purismus geht es auch bei Wabi Sabi darum, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Das heißt nicht, dass Sie asketisch leben und auf schöne Dinge komplett verzichten müssen. Vielmehr inspiriert Sie der Lebensstil dazu, Altbewährtes zu schätzen und weiter zu benutzen. Denken Sie zum Beispiel an das von Ihrer Oma geerbte Geschirr, das selbstgenähte Kissen oder die Truhe, die Sie auf dem Flohmarkt erstanden haben. Alles Lieblingsstücke, die Sie nicht beim ersten Kratzer durch neue Modelle ersetzen würden, richtig? Und genau das ist der Kern der Wabi-Sabi-Philosophie.

Sie merken schon, Wabi Sabi bedeutet viel mehr, als sich eine japanische Einrichtung in die Wohnung zu stellen. Wenn Sie unsicher sind, wo und wie Sie am besten anfangen, misten Sie als erstes gründlich aus. Die Salatschleuder steht seit Jahren ungenutzt im Küchenschrank, die große Vase verstaubt in der letzten Ecke Ihrer Wohnung, der Zeitungsständer im Wohnzimmer ist immer leer? Weg damit! Dadurch schaffen Sie Platz für Ihre Lieblingsstücke. Gleichzeitig ziehen Ruhe und Harmonie in Ihre vier Wände sowie in Ihren Alltag ein. Das tut übrigens nicht nur Ihnen, sondern auch Ihrem Nachwuchs gut: Ein bisschen Wabi Sabi und Minimalismus im Kinderzimmer schützt Ihre Kids davor, ständig von Reizen überflutet zu werden.

Ihre Wohnung im Wabi Sabi Look

Schlicht, einfach und aufgeräumt – so sieht es in einem minimalistischen Wohnzimmer aus. Optische Leere bildet auch die Basis für Räume im Wabi-Sabi-Stil. Schließlich brauchen Ihre alten Schätze Platz, um ihre volle Schönheit zu entfalten. Lassen Sie sich außerdem von folgenden Grundsätzen inspirieren:

Harmonisch: Farben in Naturnuancen

Hellgraue oder weiße Töne sind dezent und passen immer zu einer minimalistischen Einrichtung. Das ist Ihnen zu langweilig? Für Wände im Wabi Sabi Look bieten sich zudem sanfte Cremefarben in Sand- oder Rosénuancen, ein blasses Blau oder gedeckte Erdtöne an. All diese Farben strahlen Ruhe, Wärme und Geborgenheit aus.

Authentisch: Natürliche Materialien

Zu Wabi Sabi passen Möbel und Einrichtungsgegenstände aus Naturmaterialien. Handgefertigte Stücke aus individuell gemasertem Holz, mit unebenen Oberflächen oder ungleichmäßigen Mustern, sind einzigartig und schön in ihrer Unvollkommenheit. Keramik, Steingut und Leinen bringen Natürlichkeit in Ihre vier Wände. Besonders interessant wird es, wenn Sie verschiedene Materialien miteinander kombinieren.

Asymmetrisch: Organische Formen

Egal, ob dynamische Rundungen oder kraftvolle Wölbungen – Wabi Sabi liebt alle Formen, die sich an der Natur orientieren. Von Ecken und harten Kanten, Symmetrie und akkuratem Arrangement können Sie sich dagegen getrost verabschieden.

Wabi-Sabi-Möbel: Bereit für einen Perspektivwechsel?

Wabi Sabi bedeutet, dass Sie eine neue Perspektive einnehmen undDinge anders bewerten,als Sie es bisher gewohnt waren. Makel sind schön, perfektes Design ist hingegen nicht erstrebenswert. Damit ist die japanische Ästhetik verwandt mit Shabby Chic oder Industrial, die auch auf Patina und schlichtes Design setzen. Würden Sie sich aufregen, wenn Ihr Sohn beim Spielen einen Kratzer in Ihren Glastisch macht? Oder der Nachbarshund am Holzstuhl nagt? Nicht, wenn Sie die Wabi-Sabi-Philosophie bereits verinnerlicht haben. Japanische Ästhetik beginnt mit den kleinen Dingen.

 

Eine Anekdote erzählt, dass der japanische Mönch, Teezeremonie-Meister und Begründer der Wabi-Sabi-Philosophie Sen no Rikyu im 16. Jahrhundert einmal im Garten arbeitete. Dabei harkte er den Boden mit dem Rechen, bis alles vollkommen und ordentlich aussah. Nachdenklich betrachtete sein Werk, dann schüttelte er einen Kirschbaum, sodass ein paar Blüten wie zufällig auf den Boden fielen. Erst jetzt war er zufrieden. Ob wahr oder erfunden – diese Geschichte inspiriert dazu, Wabi Sabi in die eigenen vier Wände einziehen zu lassen. Schon ein paar einzelne Blütenblätter können den Unterschied machen.

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